Samstag, 11.04.2026, 19.30 Uhr
Congress Center Baden
F. Danzi: Symphonie in D‑Dur (P223)
R. Strauss: Vier letzte Lieder
C.M. von Weber: Andante e Rondo ungarese op.35
R. Strauss: Rosenkavalier-Suite
Cornelia Hübsch – Sopran
Robert Brunnlechner, Fagott
Philharmonisches Orchester Györ
Norbert Pfafflmeyer, Dirigent
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Tel: 02252 – 444 96 444
Restkarten an der Abendkasse
Die Tiefe und das Letzte
„Nicht fa Gott, fa d’Leit müssen’s spielen“ – dieser Rat gemäß dem treffsicheren jüdischen Humor wird einem Musikanten zuteil, der sein tiefes Instrument auf der Straße erklingen lässt – in der Hoffnung auf freigebige Vorbeigehende.
In der Tat ist Das Fagott in seiner Geschichte eigentlich nie das Instrument gefeierter Virtuosen oder Wunderkinder beiderlei Geschlechts gewesen, wie das Klavier oder die Geige, eventuell auch noch die Harfe und sogar der Kontrabass. Dem italienischen Virtuosen auf dem tiefen Streichinstrument Domenico Dragonetti lauschte sogar Beethoven gerne und ließ sich von ihm beraten.
Dabei wurde das Fagott durchaus klassisch geadelt mit einem Konzert von Mozart und in der späten Sinfonia concertante von Haydn. Trotzdem riet eine Wiener Musikzeitung des Biedermeier es etwa dazu entschlossenen Fagottisten entschieden ab, mit ihrem Instrument auf Reisen zu gehen – da sei nichts zu gewinnen.
In Joseph von Eichendorffs Roman „Aus dem Leben eines Taugenichts“ ist es dann auch ein einigermaßen verkniffen-skurriler Amtmann, der gegen Ende der Erzählung „wie toll auf seinem Fagott fingerte”.
Es waren dann durchaus beachtliche Meister aus der „2. Liga“, welche dem Fagott ihren Tribut zollten: der Mozart- und Haydnschüler Johann Nepomuk Hummel, Carl Maria von Weber und der in Mannheim, München und Stuttgart als Hof- und Theatermusiker tätige Franz Danzi. Der war der Sohn eines Italieners und einer Deutschen und hinterließ ein beachtliches Œuvre – zumal für die Opernbühne. Der gelernte Cellist schrieb gar 5 Konzerte für das Fagott. Seine historische Bedeutung liegt aber wohl darin, dass er sich als Kapellmeister intensiv mit den Werken Mozarts auseinandersetzte und seinem Freund Carl Maria von Weber besondere Förderung und Beratung zuteil werden ließ.
Ist das Fagott, wie es manche Instrumentationslehren kundgeben, tatsächlich der „Buffo“, also der stets lustige Kerl unter den Orchesterinstrumenten? Oh, man höre da doch einmal genau auf die abgründigen Stellen in Verdis „Requiem“, wo 4 Fagotte adäquat von Leid und Grausen künden.
Tod und Grauen: schon beim „frühen“ Richard Strauss – in „Salome“ und „Elektra“ sind sie ein vielfach genutztes Vehikel, um die musikdramatischen Möglichkeiten unterschiedlicher Arten des Abscheidens aus dieser Welt auszunutzen. Seine Symphonischen Dichtungen „Tod und Verklärung“ sowie „Ein Heldenleben“ reflektieren die Todesnot dann zumal im Hinblick auf deren eventuelle Überwindung – wobei Strauss nichts dagegen hatte, dass man beim Hauptprotagonisten der symphonischen Handlungen durchaus – auch – ihn zu denken hatte.
Er hielt jedoch selbst von irgendeiner wie immer begründeten Jenseitserwartung so gut wie nichts. Dass er wunschgemäß seinen Leichnam verbrennen und in seinem Garten in Garmisch verurnen ließ, das war ihm durchaus Ausdruck einer solchen Haltung und das wurde damals auch verstanden, da die Kremierung als Absage an die Religion galt und auch so geübt wurde.
Nun: Wie ist dies nun mit Straussens „Letzten Liedern“? Der Titel ist nicht von ihm, sondern von seinem neuen Verlag Boosey&Hawkes in London. Strauss, schwer belastet durch seine Position als Präsident der NAZI-Reichsmusikkammer, konnte durch diesen Verlagswechsel zumindest außerhalb Deutschlands Aufführungstantiemen kassieren.
Die Alliierten hatten sein Vermögen eingezogen und behielten auch die Tantiemen ein. Freunde in der Schweiz ermöglichten ihm die Ausreise in ihr Land und sie und der Verlag gaben ihm Kompositionsaufträge. In diesem Zusammenhang entstand auch die große „Rosenkavalier“-Suite.
War es des Komponisten manchmal derber baierischer Humor, welcher ihn zu den Seinen auf die Frage, warum er sich das antue, sagte: „Damit ihr was zum (fr)essen habt‘s.“
In der Schweiz schloss Strauss Freundschaft mit dem Dichter Hermann Hesse, der sein Grauen vor den im Krieg begangenen Schandtaten mit seinem Roman „Das Glasperlenspiel“ unter Kontrolle zu bringen suchte.
Straussens Bewältigungsmusik waren die „Metamorphosen für 23 Solostreicher“ mit einem Zitat aus Beethovens „Eroica“ – komponiert im Entsetzen über die Zerstörung der großen deutschen Kulturstädte…
Drei Hesse- und ein Eichendorffgedicht wurden dann in den „Vier letzten Liedern“ von Strauss in seine typischen Klänge gehüllt.
Das nachdenklichstmachende der vier Lieder ist vielleicht das über den Text Eichendorffs. Der Dichter lässt ein in Liebe gealtertes Ehepaar an der letzten Schwelle miteinander nachsinnen und fragen. Zwei Lerchen – Eichendorffs oft erwähntes Symbol der Freude an Gottes Schöpfung – schwirren auf; und da sagen die zwei Liebenden zueinander
„Tritt her und laß sie schwirren,
Bald ist es Schlafenszeit,
Daß wir uns nicht verirren
In dieser Einsamkeit.“
Gegen diesen Gedanken komponiert aber Strauss noch ganz zum Ende an, denn genau diesen Lerchen gehören die Schlusstakte. Eichendorffs Schlusszeilenfrage lautet: „Ist das vielleicht der Tod?“
Bei Strauss wird weitergesungen und ‑geschwirrt – ein unendlicher Gesang, der den Tod gar nicht zulassen möchte, indem er ihn zumindest übersingt?
Johannes Leopold Mayer


